München, 13. Oktober 2011. Die Ökumenische Notfallseelsorge Rosenheim erhält den Sozialpreis des Landkreises Rosenheim. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert und wird voraussichtlich Ende des Jahres von Landrat Josef Neiderhell überreicht. Er wird seit 1999 als „sichtbares äußeres Zeichen des Dankes und der Anerkennung" vergeben für „beispielhaftes Handeln im sozialen Bereich, das oft unbemerkt von der Öffentlichkeit im Dienste des Menschen erbracht wird".
Die Notfallseelsorge und Krisenintervention Rosenheim wird vor allem nach unerwarteten oder tragischen Todesfällen tätig. Die Aufgabe der Notfallseelsorger ist dann die Begleitung und Betreuung der Angehörigen des Verstorbenen. Sie fungieren als Ansprechpartner für die Angehörigen, erklären ihnen, was um sie herum passiert, und helfen ihnen, die ersten notwendigen Schritte einzuleiten. Die Notfallseelsorge wird beispielsweise alarmiert nach einer erfolglosen Reanimation, nach Unfällen mit tödlichem Ausgang, bei Plötzlichem Kindstod oder Suizid. Die Seelsorger unterstützen außerdem die Polizei beim Überbringen von Todesnachrichten, werden bei Großeinsätzen mit vielen Betroffenen aktiv und kümmern sich bei Einsätzen mit besonderen psychischen Belastungen um die Helfer. Durch die Begleitung der Angehörigen in der akuten Krisensituation tragen sie zur Vorbeugung schwerer Folgeschäden wie einer posttraumatischen Belastungsstörung bei.
„Die Notfallseelsorge ist die Wiederentdeckung des einfachen Daseins eines Menschen für einen anderen Menschen", sagt Thomas Schlichting, Leiter des Referats Allgemeine Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat München. „Natürlich können auch die Notfallseelsorger nicht erklären, warum ein Unfall oder ein plötzlicher Todesfall geschehen ist", so Schlichting. „Aber sie können die Angehörigen spüren lassen, dass sie nicht allein sind, dass jemand ihnen beisteht und ihnen hilft, die eigentlich unerträgliche Situation auszuhalten." Die Angehörigen könnten in der Krisensituation selbst oft gar nicht verstehen, was um sie herum alles passiere. „Auch im Rückblick sind sie dann oft sehr dankbar dafür, dass der Seelsorger da war - ein Mensch, der sich ausschließlich um sie kümmert und ihnen durch die ersten Stunden hilft." Gemeinsam mit dem Leiter des Fachbereichs Notfallseelsorge, Diakon Andreas Müller-Cyran, ist Schlichting verantwortlich für mehr als 100 Notfallseelsorger in der Erzdiözese München und Freising, die vor Ort jeweils mit evangelischen Kollegen zusammenarbeiten.
Die Ökumenische Notfallseelsorge, die in Stadt und Landkreis Rosenheim tätig ist, wurde 1995 auf Initiative des evangelischen Pfarrers Peter Bertram gegründet. Von den etwa fünfzehn evangelischen und katholischen Seelsorgern des Teams ist jeweils einer rund um die Uhr erreichbar und wird im Fall eines Einsatzes über die Rettungsleitstelle alarmiert. Die Seelsorger unter der Leitung von Pfarrer Stefan Fratzscher für die Evangelische Kirche und Diakon Andreas Demmel für die Katholische Kirche arbeiten ehrenamtlich und treffen sich regelmäßig zu Fortbildung und Erfahrungsaustausch. Sie absolvieren etwa 100 Einsätze pro Jahr. (gob)
